Der in Faszikeln gedruckte Thesaurus war (und ist es wohl noch heute) das wichtigste nach außen sichtbare Arbeitsergebnis der Redaktion des Thesaurus Linguae Latinae.
Vor der Umstellung der Satzarbeiten auf TUSTEP war, wie Herr van Leijenhorst schon ausgeführt hat, das Ersetzen der zahlreichen Blockaden für die Querverweise durch die endgültigen Verweisziele ein sehr arbeitsaufwendiges Unterfangen, zumal sich dadurch ja an vielen Stellen der Umbruch änderte und somit die Verweisziele nicht mehr zeilen- und oft nicht seitengenau aus dem ersten Satz zu übernehmen waren. Im laufenden Faszikel - dem letzten Faszikel zum Buchstaben P, von pulvillus bis pyxodes - das 84 Seiten umfasst, gibt es 3383 Querverweise; das sind mehr als 40 pro Seite.
Es war deshalb von Anfang an klar, dass die Umstellung des Satzes auf TUSTEP nur dann Sinn macht, wenn auch für dieses Problem eine sichere und ökonomische Lösung gefunden wird. Für die Redaktion wäre alles andere nicht hilfreich gewesen. Es hätte nur zusätzliche Arbeit gebracht.
Das zuvor für die Satzherstellung benutzte Erfassungssystem hatte sich ganz an den über Jahrzehnte entwickelten und kodifizierten typographischen Konventionen des TLL ausgerichtet. Verständlicherweise wollte die Redaktion bis auf die lästige Codierung der Querverweise keine Änderung der bewährten Erfassungskonventionen.
Das hieß also zunächst und zu allererst einmal, ausgehend von der altbewährten, für ein anderes System entworfenen Codierung, den Satz ohne Kompromisse und Abstriche gegenüber dem bisher gewohnten Standard zu gewährleisten.
So schrieb Herr Dr. Krömer, damals Geschäftsführender Direktor des TLL, im Jahr 2002 ... (Zitat:) "Wie zuvor hat die adäquate Umsetzung unserer Dateien für uns die absolute Priorität. Deswegen beschränken wir uns hier auf diesen Punkt. Sobald das Druckergebnis uns befriedigt, sind wir bereit, in Zusammenarbeit mit Ihnen die Querverweiseverwaltung in Angriff zu nehmen - Es ist ja nicht so, daß wir keine Marmelade mögen würden, nur mögen wir sie auf einem Butterbrot, nicht dirket aus dem Glas." (Zitat-Ende)
Bis die Butter auf den Brötchen war, gingen durchaus einige Satzproben hin und her. Erst dann wurde die Arbeit an den Querverweisen aufgenommen.
Das Einbringen der Verweise selbst ist eigentlich ganz einfach - und ist in einer elektronischen Version auch kein Problem, da dort keine Abhängigkeit vom Zeilen- und Seitenumbruch auftreten kann: man verweist auf Ziele, die beim Anklicken automatisch angesteuert werden, gleich wo sie stehen.
In der gedruckten Fassung ist es etwas schwieriger: dort werden als Verweisziele Spalten- und Zeilennummern erwartet; die Verweise können endgültig also erst dann eingebracht werden, wenn der Umbruch feststeht. Wenn aber noch nicht klar ist, wieviel Platz für einen Verweis gebraucht wird, werden die Verweise mit Sicherheit den Umbruch, der mit vorläufigen Verweisen erreicht wurde, verändern. Damit sind die in diesen Verweisen genannten Seiten-\ und Zeilennummern hinfällig. Auch das wäre kein Problem, wenn man von vornherein wüsste, wie viel Platz genau ein solcher Verweis braucht: man müsste dann nach einem ersten Satzlauf nur einzelne Ziffern gegen andere auszutauschen. Das ist aber hier leider nicht der Fall.
Vergegenwärtigen wir uns noch einmal die Regeln, wie die Verweise aussehen sollen.
![]() |
Danach sind zu unterscheiden: Verweise nur auf eine Zeile (nämlich dann, wenn der Verweis auf eine Zeile derselben Spalte erfolgt), und Verweise auf Spalte und Zeile (wenn das Verweisziel in einer anderen Spalte liegt). Dabei werden immer erst die Zeilenverweise, dann erst die Verweise auf Spalte und Zeile in aufsteigender Reihenfolge angeführt, auch wenn letztere auf Spalten vor der Verweisstelle führen. Reine Zeilenverweise bestehen aus "l." + Zeilennummer, Verweise auf andere Spalten aus "p." + Spaltennummer + Komma + Zeilennummer. Wird von einer Stelle aus auf zwei Zeilen in der selben Spalte verwiesen, fehlt beim zweiten Verweis natürlich die Spaltennummer.
Es ging nun darum, ein Verfahren zu finden, das ohne allzu viel Handarbeit die Verweise nach diesen Vorgaben einfügt. Dieses Verfahren in allen Einzelheiten zu erläutern würde den Rahmen dieses Vortrags sprengen (und Sie sicherlich langweilen). Ich muss mich auf die Darstellung des Prinzips beschränken.
Mit der Redaktion einigten wir uns für das Einbringen der Verweise auf folgendes Vorgehen: An den Stellen, von denen aus auf eine andere Stelle verwiesen wird, wird bei der Datenerfassung in geschweiften Klammern ein v und die Nummer für das Verweisziel, also {v+Nummer}, geschrieben; an die korrespondierenden Verweisziele (also die Stellen, auf die verwiesen wird), in geschweiften Klammern ein z mit der selben Nummer.
![]() |
Sie sehen hier in der 6. Zeile hinter dem Wort "aridus" zuerst eine Markierung für ein Verweisziel, unmittelbar dahinter drei Markierungen für Verweise. Der erste mit der Nummer 224 führt zu einem Verweisziel mit derselben Nummer, das wir ein paar Zeilen weiter unten hinter dem Wort "aridus" finden.
Der Satz erfolgt in mehreren Schritten, in deren Verlauf die vorläufigen Verweise in Seiten- und Zeilennummern umgewandelt werden.
Hier kommt wieder eine der großen Stärken von TUSTEP zum Tragen, nämlich die Tatsache, dass beim Satz nicht nur eine Datei erzeugt wird, die an die Druckerei geschickt wird und dort die Belichtung steuert, sondern gleichzeitig eine weitere Datei, die sog. ZIEL-Datei, die noch die Codierung der Eingabedatei enthält (und damit wieder als Quelle für einen weiteren Satzlauf dienen kann), zusätzlich aber die Seiten- und Zeileneinteilung des fertigen Satzes.
![]() |
Diese Umbruch-Information wird nun genutzt, um die Verweise automatisch aufzulösen.
Damit ist es im Grunde ganz einfach: man erstellt nach einem ersten Satz, in dem noch die Eingabecodes der Verweise zu sehen sind, ein Register der Verweisziele (d.h. der in geschweiften Klammern stehenden Zeichenfolgen "{z+Nummer}", die im Satz als Kommentar - also in der Ausgabe unsichtbar - mitgeführt werden. Als Referenz bekommen sie die Nummern der Seiten und Zeilen mit, an denen sie in der genannten Ziel-Datei stehen.
Aus diesem Register werden Austausch-Anweisungen (für TUSTEP-Kenner: xx-Parameter für KOPIERE) erzeugt, mit denen die Verweis-Stellen bearbeitet werden: der Verweis-Code "{v+Nummer}" wird jetzt zum Kommentar, dahinter werden die Seiten- und Zeilennummern eingesetzt, an denen in der Ziel-Datei die Verweisziele mit der selben Nummer stehen und die im genannten Register als Referenz mitgeführt sind. In einem weiteren Schritt werden bei den Verweisen, die auf dieselbe Spalte verweisen, in der sie selbst stehen, die Seitennummern entfernt, und aus dem "p" (für "pagina") wird ein "l" (für "linea"). Bei Verweisnestern erfolgt noch die Umsortierung nach den oben genannten Regeln (erst alle Verweise auf die selbe Spalte, dann erst die Verweise auf andere Spalten in aufsteigender Reihenfolge.
Dann wird neu gesetzt, wobei sich zwangsläufig der Umbruch ändert - und folglich die eben eingesetzten Verweise nicht mehr stimmen:
![]() |
Wir sehen hier wieder den Verweis Nr 224, der in der unteren Bildhälfte aufgelöst ist und auf die Zeile 40 verweist, in der das "aridus" im ersten Satzlauf stand, wie in der oberen Bildhälfte zu sehen ist: der Umbruch hat sich nach dem Ersetzen der Verweiscodes durch die Verweisstellen verschoben; der Verweis selbst steht schon 6 Zeilen weiter unten als beim ersten Satz (Zeile 41 statt 35); außerdem hat die Auflösung der nachfolgenden Verweise, von denen viele Spalten- und Zeilennummern enthalten, dazu geführt, dass das "aridus" noch ein Zeile weiter nach unten gerutscht ist. Der Verweis auf die Zeile 40 muss also ersetzt werden durch einen Verweis auf die Zeile 47.
Was aber gewonnen wurde, ist, dass bei den meisten Verweisen schon feststeht, ob sie sich auf dieselbe Spalte beziehen (und damit aus nur 5-6 Zeichen bestehen, nämlich "l." + Spatium + Zeilennummer + Punkt, oder aber aus der doppelten Zahl von Zeichen, nämlich "p." + Spatium + Spaltennummer + Komma + Spatium + Zeilennummer + Punkt.
Wenn jetzt wieder ein Register der Verweisziele erstellt wird und die ermittelten Seiten- und Zeilennummern in den Text eingesetzt werden und anschließend neu gesetzt wird, wird sich der Umbruch nur noch an wenigen Stellen verschieben.
![]() |
Wir sehen hier in der ersten Zeile wieder den Verweis Nr. 224 und dahinter die Zeilennummer 40 für das Verweisziel aus dem ersten Satzlauf. Diese Nummer 40 ist nach Ausweis der hinter z224 stehenden Seiten- und Zeilennummer durch 47 zu ersetzen. Das Ergebnis sehen wir in der unteren Hälfte der nächsten Folie:
![]() |
Nach einem dritten Durchgang nach dem gleiche Muster ist der Umbruch in der Regel so stabil, dass das Ergebnis an die Redaktion des TLL zur Kontrolle und Korrektur weitergegeben wird. Ein weiteres Register dient nochmal der Kontrolle der eingesetzten Verweise:
![]() |
Hier sind im TUSTEP-Editor die Zeilen mit gelber Schrift auf blauem Hintergrund markiert, in denen die als Verweis eingesetzte Nummer mit der Referenz des entsprechenden Verweisziels übereinstimmt.
Die Redaktion erhält neben diesem Register als Korrekturgrundlage den vorläufig umbrochenen Ausdruck, von dem wir einen etwas größeren Ausschnitt aus dem gleichen Umfeld wie in den schon gezeigten Folien hier sehen:
![]() |
Zum Zweck der schnellen Überprüfbarkeit der Querverweise sind in diesem Ausdruck die Zielwörter unterstrichen; die automatisch generierten Verweise auf diese Ziele sind grau hinterlegt; außen am Satzspiegelrand sind Zeilenzähler im Einerschritt angebracht, da die Zeilennummern ja Bestandteil der Verweise sind. Der Umbruch ist noch immer nicht endgültig, da einerseits registerhaltig gesetzt werden muß, andererseits Hurenkinder vermieden werden müssen, ohne dass einzelne Zeilen über den Satzspiegel hinausragen dürfen. Außerdem möchte die Redaktion weitere sachliche oder inhaltliche Gesichtspunkte berücksichtigen, um einen optimalen Seitenumbruch zu erreichen.
Die Aufgabe der Redaktion ist nun, in diesem Rohumbruch den endgültig gewünschten Umbruch einzuzeichnen. Diese Anweisungen werden dann bei uns in die Datei eingetragen und damit der Seitenumbruch für den Neusatz fixiert.
Aufgrund dieses neuen Umbruchs werden die Verweise neu generiert und ein weiterer Satzlauf durchgeführt. Die Verweise sind damit endgültig und korrekt, möglicherweise aber nicht der Umbruch: Wenn sich Verweise auf Zeilen kurz nach oder vor einem Spaltenwechsel beziehen, kann es auch jetzt noch vorkommen, daß aus "l. plus Zeilennummer" eine komplette Referenz mit Spalten- und Zeilennummer wird und umgekehrt und einzelne Zeilen somit länger oder kürzer werden.
Es ist dann Sache der Redaktion, in einen weiteren Korrekturgang durch Füllwörter oder durch Streichungen oder den Einsatz von Abkürzungen für zuvor ausgeschriebene Wörter oder umgekehrt die betroffenen Zeilen so anzupassen, dass auch solche Zeilen nicht aus dem ausgeglichenen Satzbild herausfallen.
Als technische Voraussetzung für dieses Vorgehen haben wir die genannte Eigenschaft des TUSTEP-Satzprogramms kennengelernt, dass es eine Zieldatei mit allen Umbruch-Informationen zur Verfügung stellt, die - in unveränderter oder in korrigierter Fassung - wieder als Quelle für einen weiteren Satzlauf verwendbar ist.
Eine organisatorische Vorausetzung für das Gelingen des Unterfangens ist, dass die typographischen Vorgaben und die regelhafte Anordnung der Querverweise von vornherein strikt eingehalten werden, damit sich einerseits die Redaktion im Korrektur-Ausdruck leicht zurechtfindet, und damit sich andererseits notwendige Korrekturen auf evtl. falsch erfasste Querverweise, auf die Silbentrennung, auf die mit beidem verbundenen Eingriffe in den Umbruch und ggf. auf inhaltliche Eingriffe beschränken kann.
Im Nachhinein war ich der Redaktion dankbar, dass sie in diesem Punkt keine Abweichung von den Vorgaben hat "durchgehen lassen".